Zitate von Tucholsky, Kurt
„Wenn der Mensch fühlt, daß er nicht mehr hinten hoch kann, wird er fromm und weise; er verzichtet dann auf die sauren Trauben der Welt. Dieses nennt man innere Einkehr.“
„Wenn einer eine Ansprache hält, müssen die anderen schweigen - das ist deine Gelegenheit. Mißbrauche sie.“
„Der Deutsche fährt nicht wie andere Menschen. Er fährt, um recht zu haben.“
„Seid barmherzig. Das Leben ist schon schwer genug!“
„Wenn man einen Menschen richtig beurteilen will, so frage man sich immer: "Möchtest du den zum Vorgesetzten haben?"“
„Wenn einem Lebenden ein Denkmal gesetzt wird, so pflegt man beide etwas spöttisch zu betrachten.“
„Das deutsche Schicksal: vor einem Schalter zu stehn. Das deutsche Ideal: hinter einem Schalter zu sitzen.“
„Die Deutschen haben zwar nicht das Pulver erfunden, aber die Philosophie des Pulvers.“
„Wenn der Deutsche hinfällt, dann steht er nicht auf, sondern schaut, wer schadenersatzpflichtig ist.“
„= Eine anatomische Merkwürdigkeit: es schreibt mit der Linken und tut mit der Rechten.“
„In Deutschland gilt derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als derjenige, der den Schmutz macht.“
„In der Ehe pflegt gewöhnlich einer der Dumme zu sein. Nur wenn zwei Dumme heiraten - das kann mitunter gut gehen.“
„= Eine einfache, aber schwere Sprache. Es besteht aus lauter Fremdwörtern, die falsch ausgesprochen werden.“
„Erfahrungen vererben sich nicht - jeder muß sie allein machen.“
„Erfahrung heißt gar nichts. Man kann eine Sache auch 35 Jahre falsch machen.“
„Als Gott am sechsten Schöpfungstag alles ansah, was er gemacht hatte, war zwar alles gut, aber dafür war auch die Familie noch nicht da.“
„Der englische Schriftsteller Gerhardi sprach einst: "Wenn eine Frau sagte, sie sei genau wie alle Frauen - die wäre anders."“
„Es gibt keinen Erfolg ohne Frauen.“
„Frauen sind die Holzwolle in der Glaskiste des Lebens.“
„Freundschaft, das ist wie Heimat.“
„Golf, sagte einmal jemand, ist ein verdorbener Spaziergang.“
„Die meisten Hotels verkaufen etwas, was sie gar nicht haben: Ruhe. (Schade, daß dies offenbar auch für unser Tagungshotel gilt. Können Sie bitte die Fenster/ Türen schließen?)“
„Ein Ideal, für das ein Mann oder eine Frau nicht kämpfen wollen, stirbt - das ist ein Naturgesetz.“
„= Das einzige vierbeinige Tier, das dem Menschen eingeredet hat, er müsse es erhalten, es brauche aber dafür nichts zu tun.“
„Was die Kirche nicht verhindern kann, das segnet sie.“
„Der Vorteil der Klugheit besteht darin, daß man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger.“
„Wie sprechen Menschen mit Menschen? Aneinander vorbei.“
„= Überschuß.“
„Ich sehe diesem Tag mit einigen vollen Hosen entgegen.“
„Den meisten Leuten sollte man in ihr Wappen schreiben: Wann eigentlich, wenn nicht jetzt?“
„Dies ist, glaube ich, die Fundamentalregel allen Seins: Das Leben ist gar nicht so. Es ist ganz anders.“
„Leben heißt aussuchen.“
„= Wenn sie dir die Krümel aus dem Bett macht.“
„= Ein Lebewesen, das klopft, schlechte Musik macht und seinen Hund bellen läßt. Manchmal gibt er auch Ruhe, aber dann ist er tot.“
„Nationalökonomie ist, wenn die Leute sich wundern, warum sie kein Geld haben. Das hat mehrere Gründe, die feinsten sind die wissenschaftlichen.“
„Wer in der Öffentlichkeit Kegel schiebt, muss sich gefallen lassen, dass nachgezählt wird, wieviel er getroffen hat.“
„Jeder anständige Autor muß auf jeder nur denkbaren Stufe sein Publikum respektieren und darf ihm darum nur das subjektiv Beste vom Besten bieten.“
„Ein Redner sei kein Lexikon. Das haben die Leute zu Hause.“
„Als deutscher Tourist im Ausland steht man vor der Frage, ob man sich anständig benehmen muß oder ob schon deutsche Touristen dagewesen sind.“
„Wegen ungünstiger Witterung fand die deutsche Revolution in der Musik statt.“
„Der Satiriker ist ein gekränkter Idealist.“
„Der geschickte Journalist hat eine Waffe: das Totschweigen.“
„= Eine Waffe. Haltet sie scharf.“
„Man kann jeden daran erkennen, wie er das Wort "ich" setzt. Manche sollten es lieber nicht setzen. Viele sagen auch noch niemals "ich", sondern immer "ich persönlich", wie ja denn niemand seine Persönlichkeit so betont, wie derjenige, der keine hat.“
„Streitende sollten wissen, daß nie einer ganz recht hat und der andere ganz unrecht.“
„= Der Verdacht, der andere könnte recht haben.“
„Eines Tages kam ein Pfarrer zu einem Versicherungsagenten, der im Sterben lag. Er war ein schlechtes Schaf der Kirche gewesen, alle seine Tage. Und es wird berichtet: Der Agent starb ungläubig, wie er gelebt hatte - aber der Pfarrer ging versichert von dannen.“
„Nichts ist schöner und nichts erfordert mehr Charakter als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!“
„Ich glaube jedem, der die Wahrheit sucht. Ich glaube keinem, der sie gefunden hat.“
„Schade, daß man Wein nicht streicheln kann.“
„Fang nie mit dem Anfang an, sondern immer drei Meilen vor dem Anfang!“
„Entwirf deinen Reiseplan im großen - und laß im einzelnen dich von der bunten Stunde treiben. Die größte Sehenswürdigkeit, die es gibt, ist die Welt - sieh sie dir an!“
„Es geht nirgends merkwürdiger zu als auf der Welt.“
„Was die Weltwirtschaft angeht, so ist sie verflochten.“
„Einer hackt Holz und dreiunddreißig stehen herum. Die bilden die Zentrale.“
„Der Mensch hat, neben dem Trieb der Fortpflanzung und dem zu essen und zu trinken, zwei Leidenschaften: Krach zu machen und nicht zuzuhören.“
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